Tesla

Ein Leserbrief über Neid, Tesla und Youtube

Neid

Hallo Marcus,

ich will heute mal ein paar Gedanken zu deinen Videos loswerden. Vielleicht sind es ja auch Denkansätze die, auch wenn sie nur meiner Meinung entsprechen, dir ein wenig Input für Diskussionsstoff geben, wenn du wieder einmal alleine, oder zum Beispiel mit dem Frank über diese Themen sprichst.

In deinem letzten Video sprichst du das Thema Neid an. Ich weiß zwar so ungefähr was du meinst, aber dennoch ist meine Sicht ein wenig anders. Neid heißt ja eigentlich das ich etwas, dass ein anderer besitzt auch gern haben möchte.  In diesem Sinne wirst du nichts dagegen haben, wenn die Menschen auf die du triffst, auch gern einen Tesla hätten. Du würdest dich mit einem Auto das keiner will nicht wirklich wohl fühlen 🙂

Der Punkt ist wohl eher, dass man es in anderen Ländern einfach akzeptiert, dass jemand etwas schönes hat. Man freut sich darüber, dass man diese schöne Sache sieht. Man hinterfragt nicht, wie der jenige dazu gekommen ist und ob er sie moralisch verdient hat. Das ist bei uns sicher ein wenig anders. Es ist mehr eine Frage des Gönnens glaube ich. Wir stellen uns eher die Frage wieso jemand, der auch nicht mehr arbeitet als man selbst, sich wesentlich mehr leisten kann und ob das gerecht ist oder nicht. Wenn man mehr erreicht hat im Leben, wird man diese Frage nicht immer schön finden. Trotzdem muss man sich damit abfinden, dass diese Bewertung immer wieder von anderen gemacht wird. Ich denke die Menschen sehen bei uns zu viele Beispiele wo jemand Wohlstand auf Kosten anderer erreicht hat. Wenn in Amerika jemand vielleicht noch Anerkennung bekommt, wenn er ohne viel Leistung und vielleicht auch nicht immer legal viel Geld verdient, eben weil er so „clever“ ist, sieht man diesen Punkt bei uns viel kritischer. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt …

Bei einer Frage die ihr letztens nicht ganz ausdiskutiert habt ging es darum, ob die Menschen in Deutschland die E Mobilität wollen. Um das zu bewerten spielt es sicher eine Rolle, in welchem Umfeld man sich bewegt. Im großen und ganzen würde ich aber eindeutig feststellen: Nein … wollen sie nicht. Wie komm ich da drauf? Ich arbeite ja in einem sehr großen Unternehmen, habe Kontakt zu sehr, sehr vielen Menschen und in einem vorwiegendem Männerumfeld, sind Autos immer mal Thema. Ich habe bisher noch nie einen Kollegen getroffen, der ein Elektroauto ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis ist in den letzten zwei Jahren, das ein oder andere Auto angeschafft worden. E Mobilität stand nie bei einem zur Debatte … Das ist die Realität in meinem Umfeld und ich denke, dass ist deutsche Realität.

Aber! Mich hat das Thema bis vor kurzem auch überhaupt nicht interessiert. Ich weiß noch vor knapp zwei Jahren, gab es bei uns im Einkaufszentrum eine Tesla Vorstellung. Ich bin nicht mal hingegangen zu diesem Auto. Heute würde ich sofort eines anschaffen, wenn es denn möglich wäre und ich schaue jedem Tesla hinter her. Es ist also nicht so das dieses Interesse, das Verständnis dafür und das Verlangen danach nicht beeinflussbar wäre. Es muss nur getan werden. Dabei spielen Menschen wie du eine sehr große Rolle. Was du machst ist ehrlich und sehr natürlich. Ich schau und höre dir gern zu. Ich bin kein Fan in diesem Sinne 🙂 Ich finde es einfach gut wie du das bisher machst und ich kann dich nur bitten … mach es weiter genau so. Genau diese Art ist wichtig und glaubwürdiger wie vieles, was in den Medien erscheint und auch glaubwürdiger als jede Werbung. Der Typ von nebenan, mit dem man auch gern mal ein Bier trinken würde, erzählt von seinen Erfahrungen und lässt einen daran teilhaben. Ich hoffe deshalb, dass du das genau so weiter machst. Viele YouTuber kommen an den Punkt, an dem sie beginnen sich neu zu erfinden. Das ist das Recht von jedem und legitim. Leider geht aber dann oft die Ursprünglichkeit und die glaubhafte Natürlichkeit verloren. Ich denke du weißt wie ich das meine 🙂

Die Frage die auch auf kam war, warum die entsprechenden Autos und die Infrastruktur bisher keiner gebaut hat?  Lobby, Politik hin oder her … spielt alles eine Rolle. Das wichtigste aber denke ich, es ließ sich so wie es bisher gelaufen ist, ohne großen Aufwand das meiste Geld verdienen und nur das zählt in der Industrie. Deutschland hat ein System von Management, dass oft Basis- und  Kerngeschäfts- fremd nur noch am aktuellen Umsatz bewertet wird. So lange etwas läuft, ist der Blick auf Morgen nicht notwendig und wenn es nicht mehr läuft, gibt es von da keine Antworten. Ich erleben das jeden Tag. Selbst wenn die Nachfrage da wäre, die Konkurrenz aus Fernost und Amerika stärker wird – unser System ist zu starr, unbeweglich und die Weitsicht von Entscheidungsträgern mit Fachkompetenz fehlt.

Ich könnte noch viel schreiben, will dich aber gar nicht langweilen.

Eigentlich wollte ich nur sagen, du machst das gut und bleib wie du bist 🙂

Liebe Grüße aus Ludwigshafen (Rhein)

Gerd

 

Hi, ich bin Marcus und glaube an eine mobile Zukunft, 100 % elektrisch. Mein Ziel ist es, dich auch für dieses Thema zu begeistern. Ich freue mich, dass du hier bist. Viel Spaß beim Durchstöbern. Schaue auch mal bei Facebook vorbei!

  1. Hallo Marcus,
    ich schaue mir deine ehrlichen Videos auch gerne an und habe mein Haus bereits auf den Anschluss eines e-Autos vorbereitet.
    In meinem Wohnumfeld sind nun 2 Nachbarn die zum einem bei VW und der andere bei Mercedes arbeiten. Sie sind dem Thema e-Mobilität nicht aufgeschlossen genug, aber da ihr Arbeitgeber zur Verbrennerindustrie gehört, auch in erster Linie an ihren Arbeitsplatz interessiert.
    Der eine liebt den Sound von großen Maschinen, der andere ist von den Versprechungen seiner Firma überzeugt. Da wird halt behauptet, dass der Verbrennungsmotor noch lange nicht ausgedient und der Diesel eine größere Zukunft als der Benziner hat.
    Heute hat er mir berichtet, dass die Dieselbrennstoffzelle die Zukunft des Antriebs für Autos bei VW entwickelt wird.
    Diese Technik wird meiner Meinung nach nur entwickelt um ein Auto zu haben, das gewartet werden muss. Man versucht mit allen Mitteln eine Technik am Leben zu erhalten um die Arbeitsplätze in den Werkstätten zu erhalten. Auf der einen Seite verständlich, aber sie benötigt Ressourcen die Endlich sind. Die unter Gefährdung der Umwelt, mit immer höheren Risiko, hergestellten Treibstoffe sind doch nicht die Lösung für die Zukunft. Der Aufwand und der Nutzen steht doch in keinem Verhältnis.
    Wie siehst du die Dinge? Meine Sichtweise, als Elektrotechniker, ist da ja etwas „eingefärbt“. Rational und logisch ist doch die Entwicklung einer leistungsfähigen Speichertechnik und eines effizienten Elektromotors doch fortschrittlicher.

    Peter

    • Hallo Marcus,
      Peter spricht da einen wichtigen Punkt an, den bisher noch keiner so richtig auf dem Schirm bzw. verdrängt hat: Reine (! nicht dieser Hybrid- Blödsinn) Elektromobilität sorgt dafür, dass nicht jede 10. Werkstatt schließen muss, sondern vielleicht jede 10. überlebt. Etwas überspitzt formuliert, aber so wird es laufen, denke ich. Denn mit einem Wechsel der Bremsflüssigkeit alle 2 Jahre und evtl. notwendigen Arbeiten am Fahrwerk (Stoßdämpfer, Radlager…) kann man als Werkstatt langfristig nicht über die Runden kommen.
      Aber abgesehen davon werden sich die Hersteller von Fahrzeugen mit Explosionsmotor (toller Begriff. Danke, Horst!) noch gehörig umsehen, wenn Tesla das Model 3 in Stückzahlen baut und der weggeht wie warme Semmeln. Und sich denken: verdammt, warum haben wir uns zu lange auf unseren Patenten ausgeruht? Aber wie sagt man so schön: wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
      Insofern: Elon rulez!

      • Ralph Kammerzell

        Hallo, Ralph,
        nicht zu vergessen sind auch die Tankstellen. Die verdienen auch nicht mehr viel an den Kraftstoffen. Der Großteil wird ja durch die Mineralölsteuer abgegeben. Außerdem führt die Reichweite der Verbrenner dazu, dass nicht mehr so viele Tankstellen benötigt werden. Wenn dann auch noch der Ölwechsel wegfällt, kann auch nichts mehr verdient werden.

        Wenn die Infrastruktur – also Ladestationen – nicht besser in Schwung gebracht wird, wird dadurch die Einführung der Elektromobilität sehr behindert. Man muss schon glauben, dass das von der Automobil-Lobby gesteuert wird. Unsere Autobauer müssen ja schon Entwicklungen und Pläne für neue E-Autos in der Schublade haben, nur ich verstehe nicht, warum sie nicht gebaut und verkauft werden. Haben die Angst, dass dann an den Motoren nichts mehr verdient werden kann und die Kunden hinterfragen, warum ein E-Auto so teuer ist, obwohl doch viel weniger Teile erforderlich sind. Macht wirklich nur der Akku den Preis? Oder sollen die Kunden getäuscht werden?

        Da gibt es in den nächsten Jahren noch viel zu erleben, bis die E-Mobilität endlich flächendeckend Fuss gefasst hat. Aber es wird spannend.

        Elon halte durch 🙂

        Gruß Ralph aus Laatzen

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